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#11 – Die Büchse der Pandora

Von am Jan 13, 2014 in Blog

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So wenig ich auch in den letzten Wochen zum Zocken gekommen bin… die letzten Tage habe ich das Defizit nachgeholt und gehöre offiziell zu den schlechtesten Vätern dieser Welt.

 

Allerdings bin ich nicht alleine Schuld an der Katastrophe. Meine Freundin hat mir auf die wohl freundlichste Art zu verstehen gegeben, dass sie nicht mehr mit mir zusammen leben möchte.

 

Sie schenkte mir zu Weihnachten “Minecraft”.

 

Was sie leider nicht wissen konnte ist, dass ich in den vergangenen Jahren absichtlich einen großen Bogen um dieses Spiel gemacht habe. Nicht etwa weil ich das Spielprinzip verteufel oder mir die simple Grafik nicht gefällt. Es galt einzig und allein dem Schutz meiner Familie und sonstigen Sozialkontakte.

 

Selbst als mein jüngerer Bruder sich das Spiel Mitte letzten Jahres kaufte und mir mit seinen 13 Jahren unter Freudentränen von seinen Erlebnissen berichtete, winkte ich ab und spielte den bösen, uninteressierten großen Bruder, der bereits viel zu erwachsen für derartige Spiele ist. Dummerweise habe ich, trotz aller Bemühungen, irgendwann meiner Freundin gegenüber versehentlich erwähnt, dass mich das Spielprinzip reizt und sich eventuell als spaßig erweisen könnte. Das war natürlich eine dreiste Lüge, denn ich wusste, dass ich mehr als nur “leichtes Interesse” an dem Spiel habe.

 

Tja… und so saß ich Heiligabend mit Minecraft in der Hand total verdutzt neben unserem Marvel-HelloKitty-StarTrek-Weihnachtsbaum und blickte mit scheinbar so traurigen Augen meine Freundin an, dass sie mich skeptisch fragen musste, ob das Geschenk ein Griff ins Klo war. Natürlich nicht, aber mir war klar dass, sobald die Disc im Laufwerk rotiert, ich direkt das Sorgerecht für meine Tochter abtreten könnte. In Gedanken sah ich mich bereits in einem Einzimmerapartment heulend auf der Couch sitzen, mit einem Brief meiner Tochter in der Hand in dem steht, dass sie mich nie kennen gelernt hat und das auch zukünftig nicht für nötig hält.

 

…::: Brüder im Geiste. Philip J. Fry aus Futurama :::…#11_fryFuturama © 2010 Twentieth Century Fox Film Corporation. All rights reserved.

Meine Freundin winkte lächelnd ab und versprach, mich irgendwie unter Kontrolle zu bringen, wenn die Angelegenheit eskaliert. Sie wusste nicht wovon sie sprach… denn Minecraft ist nicht irgendein Spiel, sondern eine höchst süchtig machende Droge, die eigentlich verboten gehört.

 

Auch wenn das Spiel seit Erscheinen im Jahr 2010/2011 über 33 Millionen Mal verkauft wurde und mittlerweile zum Allgemeinwissen gehören sollte, lasst mich das Prinzip kurz erklären.

 

Minecraft ist nichts anderes als ein großer Sandkasten. Man startet in einer zufällig generierten Welt, die aus Millionen einzelnen Blöcken besteht. Jeder Block ist aus einem Rohstoff wie bspw. Erde, Stein, Holz, Wasser oder verschiedene Metalle. Fast jeder Block kann vom Spieler abgebaut und irgendwo in der Welt erneut platziert werden. Einmal abgebaut, muss man den Rohstoff allerdings nicht zwangsläufig irgendwo verbauen, sondern kann ihn mit anderen Rohstoffen kombinieren und so neue Gegenstände erschaffen die einem weitere Möglichkeiten zum Abbauen und Verarbeiten der verschiedenen Rohstoffe bieten.

 

Vom Kernprinzip ist das einfach ausgedrückt bereits alles.

 

Die Möglichkeiten sind allerdings so vielfältig, sie alle zu beschreiben wäre an dieser Stelle Verschwendung digitaler Tinte.

 

Glücklicherweise hat mir meine Freundin nur die “entschärfte” Xbox 360 Version geschenkt. Im Gegensatz zur PC Version sind hier die Rohstoffe nur stark begrenzt kombinierbar und somit viele Objekte im Spiel nicht verfügbar. Mein Handlungsspielraum ist also künstlich eingeschränkt. Als ich mich Tage nach Weihnachten endlich getraut habe, die Folie von dem Spiel zu entfernen und den Silberling in meine Xbox zu legen, waren alle anderen Spiele die ich in meinem Urlaub durchzocken wollte nur noch schmückendes Beiwerk in meinem Regal. Mehrere Stunden am Tag und vorallem in der Nacht habe ich damit verbracht Rohstoffe in von Monstern verseuchten Minen abzubauen um aus Stein, Eisen, Gold und Diamant anschließend neue Gegenstände zu bauen, die entweder mein virtuelles Haus verschönern, oder mir dabei halfen weitere/andere Rohstoffe noch effektiver abbauen zu können. Die Zeit dabei verging so schnell, dass es nicht selten plötzlich 3 Uhr morgens war und ich vor dem zu Bett gehen noch schnell meiner Tochter die einzige Windel die Nachts gewechselt werden muss, verpasst habe. Wenigstens ein kleiner Gewinn für meine Freundin aus meiner Zockersucht.

 

Irgendwann mittags während meiner Zockertage, unsere Tochter war tief und fest am schlafen, griff meine Freundin dann zum zweiten Controller und wollte sich dieses Minecraft selbst einmal ansehen. Aus “nur ein bisschen” wurde plötzlich ein ganzer Nachmittag und schließlich ein kompletter Abend. Gemeinsam macht das Spiel eben noch einmal mehr Spaß, denn den ganzen Schrott den ich gebaut hatte konnte ich nun stolz meiner Freundin zeigen. VideoGameMom hingegen hatte weniger Interesse am dreckigen Bergbau oder Erkunden von Lavahöhlen, sonder widmete sich den mir bis dahin völlig unbekannten Möglichkeiten zur systematischen Viehzucht. Während ich also weiter unter Tage in den Mienen schuftete und nach seltenen Mineralien suchte, verkuppelte meine Freundin an der Oberfläche Kühe, Schafe, Schweine und Hühner.

 

Es ist absolut bescheuert wenn man drüber nachdenkt. Man hat Urlaub und zockt ein Spiel in dem man nichts anderes macht als arbeiten. Und ich glaube genau deswegen ist Minecraft so erfolgreich. Erschreckend simpel versorgt das Game den urbanen Drang des Menschen, sich in seiner Existenz stetig weiterzuentwickeln und die Evolutionleiter nach oben zu klettern. Anfangs startet man mit den Händen und baut Holz ab, später baut man aus dem Holz eine Holzhacke mit der Stein abgebaut werden kann, mit einer Steinhacke kann man Eisen abbauen und mit Eisen dann weitere Erzarten. Man kann nicht anders als weiterzuspielen, denn Stillstand bedeutet das Ende der eigenen Evolution und man könnte etwas verpassen.

 

Selbst stereotypische Rollenverteilungen waren bei uns festzustellen. Wenn ich abends (das Spiel hat einen Tag/Nacht Zyklus) tief unten aus der Mine nach oben kam, musste mein Charakter Nahrung zu sich nehmen. Meine Freundin hatte mittlerweile durch Ackerbau Weizen, mit den Kühen Milch und dank der Hühner Eier gewonnen und aus allem einen Kuchen gebacken. Irgendwann wurde Fisch geangelt und im Ofen (den ich aus Eisen erbaute) zubereitet. Mit der unter Tage abgebauten Kohle befeuerte ich wiederum den Ofen um weiter Nahrung zubereiten zu können. Als meine Freundin sich mehrfach beschwert hatte, dass sie draußen bei der Viehzucht ständig von explodierenden Monster angegriffen wird, was dazu führt das die eingezäunten Weiden ständig kaputt waren und die Tiere wegliefen, entschloss ich mich dazu, ihr eine funktionsfähige und monstersichere Scheune zu bauen. Später dann einen großen Turm der unser kleinen Haus ablösen sollte. Die oberste Etage des Turm war komplett aus Glas, welches ich irgendwann aus Sand im Schmelzverfahren herstellen konnte, erbaut so dass wir beim Zubettgehen über unser komplettes Königreich blicken konnten.

 

…::: “alles was das Licht berührt gehört uns” :::…#11-land© Disney. All rights reserved.

 

Psychologen würden an dieser Stelle vermutlich bemerken “Der junge Mann kompensiert seine nicht vorhandenen materiellen Reichtümer bzw. Grundbesitz mit virtuellen Minecraft Häusern”. Ich kann jedenfalls sagen, dass das Belohnungssystem im Gehirn scheinbar das Gleiche ist, denn all der Krempel fühlte sich nie langweilig an.

 

Aber da war ja noch ein Baby oder? Klar! Und das ist nicht zu kurz gekommen. Machte sich unser kleiner Duftbaum bemerkbar, haben wir im Wechselverfahren dafür gesorgt, dass sie eine frische Windel um den Hintern bekommt. Für Nahrung war, wie auch in Minecraft, meine Freundin zuständig. War der kleine Pupssack mal nicht am schlafen, haben wir uns abwechselnd um die Bespaßung gekümmert und die Person die gerade am Zocken war hat darauf geachtet, dass der digitale Partner nicht verhungert und fleißig schlafen geht.

 

Zum Ende der Woche war dann allerdings Schluss mit der Party. Unsere Tochter kam spürbar in den Entwicklungsschub der 12. Lebenswoche. Dieser Schub zeichnet sich aktuell durch einen höheren Geräuschpegel als sonst aus und soll am Ende wieder ein paar neue Fähigkeiten mit sich bringen. Wir sind gespannt.

 

Sonst lässt sich nichts mehr über meine Tochter berichten. Wie anfangs erwähnt, schneide ich aktuell bei einem “Best Daddy of the Week” Contest ziemlich schlecht ab. Über Minecraft könnte ich einen zehnstündigen Vortrag halten und eine Doktorarbeit schreiben. Immerhin war ich so gewissenhaft und habe mit der Kleinen des Öfteren gespielt. Und selbstverständlich durften auch die ausgeprägten Spaziergänge im Wald nicht fehlen. Vermutlich habe ich 90% der Gesprächszeit damit beansprucht über meine zukünftigen Pläne in Minecraft zu referieren.

 

…::: Lecker so ein Bommel :::…#11-spiel

 

Mit der Woche geht auch mein Urlaub zuende und ich bin gespannt was die kommende Woche mit sich bringt. Nach 3 Wochen Freizeit fühlt man sich schon fast eingerostet. Mit Sicherheit erwartet mich mehr Baby, mehr Arbeit und mit Glück auch ein wenig Minecraft.

 

Von meinen “Urlaub Games” habe ich natürlich kein einziges durchgezockt. Hinzu kommen weitere Projekte die darauf warten von mir endlich begonnen oder weitergeführt zu werden. Anfangen von einer SSD die auf meinem Schreibtisch liegt und auf den Einbau wartet, bis hin zu dem Erlernen von Mundharmonika welche ich ebenfalls zu Weihnachten geschenkt bekommen habe.

 

Man hat ja sonst nichts zu tun und so wird es nie langweilig.

 

Wenigstens die Abschlussleisten in der Küche konnte ich noch kurzfristig kaufen und anbringen. Die Freude hält sich aber in Grenzen für eine Sache die seit knapp 2 Jahren fällig ist.

 

Gruß

VideoGameDad

 

Titelbild: Screenshot aus Pandora’s Box Mod für Micecraft.

8 Kommentare

  1. Avatar ein Papa

    27. Januar 2014

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    dank Areagames hab ich deinen blog gefunden und er gefällt mir echt gut.
    Das hier ist dein bester Eintrag bis jetzt finde ich.
    Mach weiter so, ist schön mit anzusehen wie es anderen Zocker-Papas ergeht.
    Ich hab selber 2 Kinder (Mädchen 5 1/2 Jahre, Junge 5 Monate) und kann deine Texte echt gut nachvollziehen.
    Jetzt vor einer Stunde wurde meine Tochter wach, hatte durst. Und jetzt um 3:30 Uhr mach ich noch das Fläschchen für meinen Sohn und dann geh ich endlich ins Bett (genug gezockt für heute 😉 )

    • VideoGameDad VideoGameDad

      28. Januar 2014

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      Hey „ein Papa“.

      Es freut mich zu lesen, dass dir meine Beiträge gefällt. Ich hoffe für eine objektive Bewertung zum küren des Siegers hast du die anderen Beiträge mindestens 3x gelesen 😉

      Um 3:30 noch die Kinder zu bespaßen gleicht dem Schwierigkeitsgrad „Veteran“. Du bist nicht allein! Kopf hoch, Speed-Run beim Fläschchen machen und dann mit Super-Sonic-Speed ins Bett.

  2. Avatar ein Papa

    18. Februar 2014

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    Wer mal sehen will was meine Tochter mit 5,5 Jahren so in Minecraft auf der 360 anstellt, einfach folgenden Seed eingeben:

    5707733120

    Irgendwo findet man einen Eingang unter die Erde, da wirds dann interessant.

    • VideoGameDad VideoGameDad

      23. Februar 2014

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      Hey Papa,

      ich komme erst jetzt zum Antworten. Der Seed sorgt bei Minecraft nur dafür, dass die Landschaft identisch genriert wird, nicht das was deine Tochter gebaut hat 😉 Die Bauwerke deiner Tochter werden nur auf eurer Konsole gespeichert.

      Und die Aussage „Irgendwo findet man einen Eingang unter die Erde, da wirds dann interessant.“ trifft wohl auf so ziemlich jedes Minecraft Level zu.

      Grüße
      VGD

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