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#4 – Let’s Play: VideoGameDad

Von am Nov 24, 2013 in Blog

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Unsere biologische Sicherheitskopie war nun also zu 100% erstellt.

 

Die beteiligten Fachkräfte vor Ort versicherten uns, dass alle Sektoren korrekt beschrieben wurden und keine Fehler beim Layerwechsel zu sehen sind. Alle Daten schienen dort zu liegen wo sie hingehören und eine erste Überprüfung der Checksumme ergab ein korrektes Ergebnis. Nur eine zweite Sicherheitskopie würden wir aufgrund Hardwareverschleiß so schnell nicht anfertigen können. Da dies vorerst keine Absicht von uns ist, konnten wir mit dieser Information so professionell umgehen wie Hitman seine Aufträge erledigt = cool und lässig.

 

Ohne Frage darf ich mich also offiziell “Dad” nennen. Aber wie kommt das “VideoGame” in meinen mir selbst gegebenen Titel?

 

Die ersten Tage im Krankenhaus fühlten sich erstaunlich einfach an. Einzig das abendliche “wieder-nach-Hause-fahren” hat mir ungeahnte Probleme bereitet, da einem spürbar das Herz zerbricht wenn man Frau und Neugeborenes alleine im Krankenhaus zurücklassen muss. Umso größer war dafür die Vorfreude beim morgendlichem Betreten des Krankenhaus und Öffnen der Zimmertür.

 

Obwohl ich mich, bedingt durch meine Erinnerungen aus Kindertagen, auf einen eher langweiligen Krankenhausaufenthalt eingestellt hatte, war ich positiv von mir selber überrascht als ich bemerkte, dass 10 Stunden Baby auf dem Arm halten und angucken schneller vorbeigehen können als ich dachte. Gleichzeitig konnte ich mein Gewissen durch die Zimmerpartnerin mit positiver Stimmung füttern, denn ihr Macho hielt es nicht für nötig Urlaub aufgrund der Geburt seines Sohnes zu nehmen. Stattdessen guckte er jeden Tag für nur 2 bis 3 Stunden “kurz vorbei” und fuhr dann wieder nach Hause. Ganz entgegen meiner bedingungslosen Aufopferung für Frau und Baby.

 

Die Freude sollte allerdings hart erkauft werden. Die Tagesbespaßung der Zimmerpartnerin übernahm zu unserem Leiden die Mutter der jungen Dame. Glücklicherweise hielt sich die Belästigung in Grenzen so dass ich nicht ausfallend werden musste. Aber hin und wieder hielt ich es für den perfekten Moment meinen Bud-Spencer-Schlag an der Alten zu trainieren.

(Anmerkung: Der Inhalt des fett/kursiven Textes ist nach Meinung meiner Freundin stark zu hinterfragen und ihrer Auffasung nach nicht zu veröffentlichen. Laut ihrer Aussage bin ich mir nicht über die familiäre Situation der angesprochenen Personen im Klaren und kann nicht ausschließen, dass mir unbekannte Faktoren zu diesen bedauerlichen Umständen geführt haben. Außerdem sei ich ein „gemeiner Mensch“ derart Böses zu schreiben)

 

Nach 3 Tagen war meine Freundin dann fit genug um mit der Kleinen dauerhaft nach Hause zu fahren. Krankenhaus = Abgeschlossen

…::: Langeweile im Krankenhaus? Keine Spur! :::…
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Der Augenblick, in dem man als Familie das erste Mal die Wohnung betritt, ist wieder einer dieser vielen magischen Momente. Jeder einzelne Schritt wird, sofern man kein emotionaler Krüppel ist, ganz anders wahrgenommen.

 

Und spätestens beim Aufschließen der Wohnungstür wird einem erneut unmissverständlich klar: Ab JETZT verändert sich einfach ALLES!

 

Man sitzt auf seiner eigenen Couch, in seinem eigenen Nest und hält sein eigenes Kind im Arm. Gigantisch!

 

Aber von Videogames keine Spur…

 

Ich will den Lesern, die vorhaben Eltern zu werden und sich jetzt ein paar warme Worte wünschen, keine Illusionen machen.

 

Die einzigen Highscores, die ich in den ersten Wochen aufgestellt habe, sind Bestzeiten beim Wickeln. “Erfolge” bekommt man immer dann, wenn der kleine Schreihals in den eigenen Armen eingeschlafen ist. Königsdisziplin bei Viola ist es dann allerdings, sie auch im schlafenden Zustand irgendwo abzulegen. Kennt ihr das Spiel “Der heiße Draht”? So muss man sich das vorstellen, ein schlafendes Baby hinzulegen. Eine falsche Bewegung und es heißt zurück zum Start. Speicherpunkte sucht man vergeblich.

erfolg

 

“Last Man standing” ist von nun an kein Onlinemodus mehr, für den es am Wochenende doppelte Erfahrungspunkte gibt. Stattdessen handelt es sich dabei um die Herausforderung mitten in der Nacht ein schreiendes Baby durch die Wohnung zu tragen und vor Müdigkeit nicht umzufallen. Man(n) entwickelt erstaunliche Techniken, um doch noch die ein oder andere Portion Schlaf zu erhalten.

 

Mein Favorit im Stehen: Baby im Arm wiegen > Kopf gegen die Wand stützen > kurz ausbalancieren > SCHLAFEN!

 

Sätze wie “Das mach ich doch mit Links” oder “Das mach ich doch im Schlaf” erhalten eine völlig neue Bedeutung und erscheinen plötzlich weniger lustig.

 

Da ich meine zweimonatige Elternzeit erst im Sommer 2014 nehmen werde, bin ich nach einer Woche Urlaub wieder “Arbeiten” gegangen. Warum steht Arbeiten in Gänsefüßchen fragt sich der aufmerksame Leser… nun ich glaube “physikalische Anwesenheit” hat es die ersten Arbeitstage besser getroffen und ich kann von Glück reden, dass mein familienfreundlicher Chef erst selbst vor 2 Jahren eine Tochter bekommen hat. Ein mitfühlendes Schulterklopfen und der aufmunternde Satz “Du hattest keine Ahnung stimmt’s?” haben mehr Kraft gegeben als bspw. das Zählen meiner beantworteten Mails.

 

Aber HEY! Die gute Nachricht ist… das Alles geht nicht so schnell vorbei wie man denkt. Doch ist der Mensch erstaunlich anpassungsfähig und gewöhnt sich recht schnell an diese Umstände.

 

Windelnwechseln geht irgendwann in unter zwei Minuten leicht von der Hand und Babygeschrei blendet das Gehirn genauso aus wie das nervige Vuvuzela-Geräusch damals bei der Fußball WM 2010.

Da ich mit meiner Freundin bei der Partnerwahl eine “gute Partie” erwischt habe oder meine Augenringe scheinbar mehr gesagt haben als tausend Worte, haben wir uns so abgestimmt, dass die Nachtschicht überwiegen von ihr übernommen wird. Beginnt das Abendkonzert werde ich zwar wach und die Seele blutet bei dem Geschrei meiner Tochter, aber sobald sich meine Freundin um die recht einfachen Bedürfnisse der Kleinen kümmert, sind meine Sorgen vergessen und ich kann wieder in den Stand-by-Betrieb wechseln.

 

Selbst die Tage werden irgendwann wieder länger. Bereits nach der ersten Arbeitswoche habe ich es geschafft auch nach 21 Uhr noch wach zu sein. Zum Zocken konnte ich die gewonnene Freizeit zwar noch immer nicht verwenden, aber die Skala der persönlichen Stimmung ging immerhin nach oben und ich erhielt das Gefühl von “Irgendwas” ein “kleines Stück” wiederbekommen zu haben.

 

Den ersten Meilenstein in meinem Leben als VideoGameDad erreichte ich dann nach der Erkenntnis, dass Smartphone/Tablet-Spiele gar nicht so scheiße sind wie ich immer dachte. Auf dem linken Arm hielt ich fortan das schlafende Baby, in der rechten Hand ein 7” Tablet das gerade so viel wog, dass ich es bequem mit einer Hand halten konnte.

 

Ich bewertete Spiele nicht mehr nach Grafik oder Spiellänge, sondern nach Kriterien wie “Mit einem Finger zu spielen”, “jederzeit zu pausieren” oder “die Sounds wecken das Baby auf”

…::: Ein Hoch auf den Erfinder des Tablets :::…tablet_546

 

Vorher immer von mir belächelt, spielte ich nun genau die ganzen “Minigames”, welche andere Leute an der Bushaltestelle, auf der Arbeit oder beim Kacken als Zeitvertreib missbrauchen. “Alles Banausen! Auch in einem 80ct Spiel steckt ein Kunstwerk eines ambitionierten Entwicklers, der uns damit seine Vorstellung von Unterhaltung präsentieren möchte” dachte ich und beschloss, mich wieder zu den Zockern zu zählen.

I’m Back Bitches! VideoGameDad was born!

…::: Let’s Play: VideoGameDad :::…Videogamedad_546

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