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#8 – Kinect auf der Enterprise?!

Von am Dez 23, 2013 in Blog

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Entscheidet man sich beim Kauf einer aktuellen Konsole für die Xbox ONE, bekommt man ein solides Stück Videospiel-Hardware für sein Geld… und vielleicht sogar ein wenig mehr an Innovation als gewünscht.

 

Denn neben dem fetten Kasten in nostalgischer VHS-Recorder Optik findet man in der Kartonage (abgesehen vom Netzteil) noch einen länglichen, schwarzen Ziegelstein mit eingebauter Kamera. Gemeint ist Microsofts Geniestreich und angebliches Kaufargument für die Xbox ONE: “Kinect 2.0”

 

Doch gab es diese Idee bereits auf der Xbox 360 und erfreute sich, zumindest anfangs, großer Beliebtheit.

 

Warum man meiner Meinung nach die Idee hinter Kinect verstehen muss um es zu mögen, wie sich “Kinect für Xbox 360” und der Nachfolger “Kinect für Xbox One” im Vergleich schlagen und was die NSA mit all dem zu tun hat, erfahrt ihr in diesem und dem nächsten Blogeintrag.

 

Schon als kleiner Junge hatte ich ein ausgeprägtes Interesse an der Funktionsweise von komplexen technischen Geräten aller Art. Diese Leidenschaft hat sich bis in mein Erwachsenenalter gehalten und ist wahrscheinlich mit einer der Gründe, weshalb ich meine Frau so abgöttisch liebe… sie ist das komplizierteste Gerät das ich besitze.

 

Alles was ich in jungen Jahren in meine Finger bekommen habe wurde von mir auf das letzte Bauteil zerlegt, analysiert und anschließend wieder zusammengesetzt. Zum Ärger meiner Eltern funktionierten nicht alle Elektrogeräte danach unbedingt wieder so wie sie sollten. Mich als Kind hat das nicht gestört… mein Wissensdurst war gestillt und mit dem Feuerwehrauto ließ sich auch ohne Sirenensound bombig spielen. Im Nachhinein verstehe ich allerdings, warum mir der Weihnachtsmann als Konsequenz ausschließlich LEGO geschenkt hat.

 

Als dann Anfang der 90iger Jahre der erste richtige PC in Form eines “486er” bei uns Einzug hielt und ein Freund der Familie das Glanzstück aufschraubte um den Arbeitsspeicher nachzurüsten war es um mich geschehen. Beim Anblick der grünen Platine, den silbernen Leiterbahnen und den bunten Kabel war mir klar, dass ich mich ein Leben lang zu diesem Schnick-Schnack hingezogen fühlen werde. Mein Bruder und ich erhielten den ausrangierten Amiga 2000. Bei der nächsten Gelegenheit schraubte ich das Gehäuse auf und testete mit einem Schraubenzieher die Widerstandkraft der Platine und des Lüfters. Natürlich alles am laufenden Gerät. Für mich war es ein wahrgewordener Traum und ich fühlte mich wie ein Raketenwissenschaftler beim Erforschen unbekannter Technik. Später spielten mein Bruder und ich “Astronauten im Weltall” und simulierten am offenen Rechner einen orbitalen Reparaturversuch an unserer Raumstation… stielecht in Zeitlupe und dem Imitieren von Funkrauschen.

 

Einige Jahre später kaufte ich mir von meinem ersparten Geld einen eigenen PC (Pentium II 400MHz = YOLO!). Mittlerweile wusste ich, dass “professionelles Einschlagen auf Platinen” kein Einstellungskriterium für Raketenwissenschafler ist und verstand, dass man durch das Installieren neuer Software viel mehr aus einem PC machen kann als mit einem Schraubenzieher im CPU-Lüfter.

 

Als krankhafter Star Trek Fan war ich schon immer fasziniert von der Möglichkeit mit seinem Computer sprechen zu können. Jedes Mal, wenn Captain Picard der Enterprise irgendwelche Befehle zubrüllte und das Raumschiff sinnvoll reagierte, hatte ich Freudentränen in den Augen und wollte genau so meinen PC bedienen können. Die Softwareindustrie hatte diesen Geschäftszweig bereits für sich entdeckt und vertrieb Spracherkennungssoftware mit der Werbeversprechen “Sie diktieren, der PC schreibt”. Ich glaubte diesem Versprechen blind und investierte eine Menge Taschengeld in derartige Software. Was sollte ich auch anderes tun, es gab noch kein Internet und keine Amazon Kundenrezensionen. Etliche Monate ohne Taschengeld später, ich hatte in der Zwischenzeit Stunden damit verbracht meinem PC das Sprechen beizubringen, kam die Einsicht, dass diese Rotze nicht mal ansatzweise so funktioniert wie es die Werbung suggeriert. Total enttäuscht gab ich den Glauben auf und fand mich damit ab, dass wohl erst die Menschen im Jahr 2360 von sprechenden Computern profitieren werden. Das Thema “Spracherkennung” wurde von mir fortan eine lange Zeit belächelt und verachtet.

 

Glücklicherweise blieb die Industrie nicht stehen und immer wieder setzten sich schlaue Leute an irgendwelchen Universitäten zusammen um neue Möglichkeiten zu erforschen. Microsoft sah in einigen der technischen Forschungen die Chance, die eigene Unterhaltungssparte gewinnbringend auszubauen und investierte eine nicht unerhebliche Summe in das Entwickeln einer neuen Form der “Kommunikation zwischen Mensch und Maschine”.

 

Im Jahr 2009 wurde der breiten Masse auf der weltgrößten Spielemesse in Los Angeles dann der Prototyp aus der Forschungsabteilung präsentiert. Der Entwicklungsname von Kinect war zu diesem Zeitpunkt noch “Projekt Natal”. Das Werbevideo war bahnbrechend und sorgte für lauten Beifall bei den Fachbesuchern und offene Münder am Bildschirm! Noch nie hatte die Gamingwelt so etwas in dieser Form zu Gesicht bekommen. Aber seht selbst:

 

…::: you are the controller am Arsch!!!“ (KLICK MICH) :::…#8_you750Quelle: YouTube – Andru Edwards

 

Das die Schauspieler in diesem Video alle nur eine grüne Fläche auf ihrem TV sehen, welche dann später per Computer mit Inhalt gefüllt wurde, war damals allen Zuschauern klar und auch vollkommen in Ordnung für ein Werbevideo. Aber die gezeigten Funktionen wurden anschließend als echt verkauft und der Werbeslogan “Du bist der Controller” brannte sich dermaßen tief in mein Gehirn ein, dass ich im Anschluss an das Video bereit war jede Summe für das geile Teil zu zahlen. Später nannte Microsoft einen Verkaufspreis von 150 EUR und ich merkte, wie mein inneres Kind, dass sich nichts mehr wünschte als mit seinem Computer sprechen zu können, eine riesen Party feierte. Kinect war so gut wie gekauft!

 

Gleichzeitig erwachte das Technikmonster in mir mit einem mordsmäßigen Hunger und ich saugte alle Informationen die ich zu der Funktionsweise erhalten konnte auf. Die Idee war genial und simpel zugleich. In dem schwarzen Kasten sind zwei unterschiedliche Kameras, ein Infrarotlaser und vier Mikrofone verbaut.

 

#8_Kinect750Quelle: Microsoft

Kamera Nummer 1 zeichnet, ähnlich wie unser Auge, das Bild in “Farbe und Bunt” auf. Die Aufgabe dieser Kamera war es also, uns ein bekanntes Feedback von dem zu geben was die Konsole aktuell sieht. Verwendet wurde die Funktion bspw. für lustige Fotos von den Spielern oder später für die mehr schlecht als recht funktionierende Gesichtserkennung.

 

Kamera Nummer 2 zeichnet ausschließlich das Infrarotspektrum auf und sorgt zusammen mit dem Infrarot-Laser für die eigentliche Magie. Positioniert wird Kinect unter/über dem Fernseher so das der Sensor möglichst unser komplettes Wohnzimmer einsehen kann. Der Infrarotlaser strahlt, in einem für das menschliche Auge unsichtbaren Lichtspektrum, hunderttausende Lichtpunkte in das Zimmer und legt somit den Grundstein für die 3D Tiefenerkennung. Von der Infrarotkamera wird die Szene nun aufgezeichnet und anhand der Lichtstärke, mit welcher die Lichtpunkte auf den Sensor treffen, kann ermittelt werden wie lange der Lichtstrahl aus der Laserdiode in den Raum und wieder zurück in den Sensor benötigt hat. Aus der ermittelten Zeitspanne kann dann eine Strecke in Zentimetern errechnet werden und somit auch der Abstand zum Objekt. Das macht der Sensor mit jedem einzelnen Bildpunkt und hat anschließend die komplette Tiefeninformation einer Szene ermittelt. Um das Bild aktuell zu halten, wird die Neuberechnung für die komplette Szene in einer Sekunde dreißig (30!) Mal durchgeführt.

 

…::: ich sehe dich (KLICK MICH) :::…#8_SeeMe750Quelle: YouTube – Andreas Reza

 

Wem das noch nicht technisch genug ist: Der Infrarotsensor von Kinect 1.0 hat eine Auflösung von 640 x 480 Pixel wodurch sich rechnerich 307 200 Pixel auf dem Sensor verteilen und ausgewertet werden müssen. Dabei kann zwischen 2.048 unterschiedlichen Grautönen unterschieden werden (11-Bit Farbtiefe) um die entsprechende Raumtiefe zu ermitteln.

 

Ein einfaches Beispiel anhand der Ermittlung von EINEM!!! Pixel, sollte das Prinzip hoffentlich verständlich machen:

 – Du sitzt auf deiner Couch und hast einen roten Ball (unser Licht) in der Hand.

– Du hast die gigantische Fähigkeit, diesen Ball mit der immer gleichen Geschwindigkeit genau geradeaus zu werfen und weißt, das wenn der Ball nach dem Wurf 10 Sekunden bis zu dir zurück benötigt, er genau einen Meter weit geflogen ist.

 

Wirfst du den Ball jetzt in eine andere Richtung und er braucht 20 Sekunden bis er wieder bei dir landet, ist er folglich 2 Meter weit geflogen.

 

So kannst du theoretisch von deiner Couch aus den kompletten Raum vermessen. Alles was du tun musst ist die Zeit zu messen die der Ball nach jedem Wurf wieder zu dir zurück benötigt. Jeden Wurf schreibst du auf einen Zettel und nach 20 Tagen besitzt du alle Informationen um einen Teppich und Tapete kaufen zu können.

 

…::: Heute bei der Maus: Wie funktioniert Kinect :::…#8_einfach750

 

Kinect arbeitet glücklicherweise schneller und kann mit der Tiefeninformation noch viel mehr spannende Sachen anstellen als wir mit unserem Zettel. Die Software, welche die Bildinformationen auswertet, ist so schlau, dass sie sogar erkennt wenn sich menschliche Formen in der Szene befinden. Anschließend wird über die menschliche Form ein vereinfachtes Skelett gelegt und Kinect ist in der Lage so die Bewegungen einzelner Gliedmaßen zu verfolgen. Der Spieler wird als ganzes erkannt und kann als digitale Version in ein Spiel integriert werden.

…::: Das bekommt jedes Kleinkind besser hin :::…#8_sees750Quelle: Microsoft Deveoper Network

 

Soweit also die Theorie. Aber als Kinect 1.0 dann im November 2010 für die Xbox 360 auf den Markt losgelassen wurde (ich hatte meine Version längst vorbestellt), dauerte es nicht lange bis ich bemerkte, dass ich wieder auf ein zu gut klingendes Werbeversprechen reingefallen bin.

 

Der Sensor war in meinen Augen zwar eindeutig eine kleine Revolution und der erste Schritt in die richtige Richtung, aber bei Gott was habe ich auf dieses Teil geflucht, wenn es nicht das gemacht hat was ich wollte. Die Spracherkennung gab es anfangs nicht in Deutschland und als diese dann 6 Monate später per Softwareupdate nachgeliefert wurde, waren die Funktionen erstaunlich einfach gehalten. Die Befehle beschränkten sich auf das Bedienen der Benutzeroberfläche und wurden in einem von fünf Fällen nicht korrekt ausgeführt. Positiv empfand ich allerdings die Tatsache, dass ich der Xbox nicht erst über Stunden hinweg per Vokabeltraining meine Stimme beibringen musste. Ein kleines Stück Zukunft war also schon zu bemerken.

 

Die Körpererkennung beschränkte sich auf die Grundformen eines Stichmännchens. “Handbewegungen” wurden nur erkannt wenn der ganze Arm mitgeschwungen wurde. Die Hand als Solches wurde dummerweise als fetter Klotz erkannt. Einzelne Finger (und somit feinere Gesten) waren entgegen dem Werbevideo technisch nicht möglich zu erfassen. Dafür war der Sensor zu ungenau.

 

Hinzu kam, dass die Auswertung der Daten scheinbar so rechenintensiv war, dass man als Spieler eine kleine Verzögerung auf dem Bildschirm feststellte und diese dann von dem jeweiligen Spiel “kaschiert” werden musste. Hob man also seinen Arm ruckartig nach oben, hat es spürbare Millisekunden gedauert bis die Spielfigur den Arm an der selben Stelle hatte.

 

Obwohl ich meine Enttäuschung nicht verbergen konnte, hatten wir im Freundeskreis eine Menge Spaß an dem Teil. “Kinect Sports” galt mit seinen einfachen Sportspielen wie Bowling oder Golf (*hust* Danke Nintendo *hust*)  als Pflichttitel und sorge an vielen Abenden für lustige Unterhaltung. Selbst wenn die Körpererkennung nicht richtig funktionierte und das digitale Abbild mit spastischen Zuckungen über den Bildschirm fegte wurde gemeinsam gelacht anstatt sich über die Technik zu ärgern.

 

Nach wenigen Monaten war die Luft aus dem Teil dann aber raus und bis auf die Sprachsteuerung, welche mit jedem Update ein klein wenig besser wurde, habe ich den Sensor nicht mehr benutzt. Die Möglichkeiten waren einfach zu speziell und ein ständiges Umstellen des Wohnzimmers, um genug Platz zum Spielen zu haben, wurde auf Dauer sehr lästig.

 

Irgendwann habe ich meine komplette Spielesammlung inkl. Kinect für einen Spottpreis an meinen kleinsten Bruder verkauft. Mit seinen 13 Jahren entsprach er definitiv mehr der Zielgruppe und ich glaube der Spaß ist auch aktuell noch deutlich vorhanden.

 

Wieder erlitt ich also einen Rückschlag was meine Vorstellung von einer nahtlosen Kommunikation zwischen Mensch und Maschine anging. Im Schlaf träumte ich davon als Captain Picard die Enterprise zu kommandieren. Aber anstatt dass auf meinen Sprachbefehl die Schilde hochgefahren und die Waffen abgefeuert wurden, aktivierte das Schiff unwiderruflich die Selbstzerstörung und startete gleichzeitig alle Rettungskapseln ohne Rücksicht auf die Besatzung. “Fick dich Kiiiiiineeeeeeeect!!!”, schrie ich verärgert bei der Explosion meines Schiffs… aber im Weltraum hört dich niemand schreien.

 

Ob Kinect 2.0 sich besser schlägt und warum nach Auffassung einiger Datenschützer die NSA heimlicher Investort sein könnte, erfahrt ihr im nächsten Eintrag.

 

*Sternenzeit 24122013, Logbucheintrag Ende*

VideoGameDad

Quelle Blogcover: Star Trek – The Next Generation. 2013 CBS Studios Inc All Rights Reserved. STAR TREK and related marks are trademarks of CBS Studios Inc.

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