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#3 – Unboxing the real Next-Gen

Von am Nov 17, 2013 in Blog

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WICHTIGER HINWEIS: Der nachfolgende Text könnte verstörend auf Personen wirken, die ein Problem mit Wörtern haben, die mit natürlichen Körperreaktionen zu tun haben und häufig in der Humanmedizin oder schlechten Witzen Verwendung finden. Menschen mit einer lebhaften Vorstellungskraft und den daraus resultierenden Problemen wie schlaflosen Nächten, Übelkeit und Erbrechen sollten sich das Lesen dieses Eintrags genau überlegen.

 

Zählen Sie sich selbst zu dieser Gruppe und möchten auf diese Erfahrung verzichten? Hier eine Zusammenfassung:

 

18:30 Uhr = Richtung Krankenhaus gefahren. Alles wie im Liebesfilm.

22:30 Uhr = Baby gesund geboren. Frau wohlauf. Blumenduft im Raum.

 

Für alle, die durchgehalten haben und glauben hart zu sein… geht es jetzt weiter:

 

18:30 Uhr – Nachdem der Schock mit der gerissenen Fruchtblase (sicher, dass Sie weiter lesen wollen?) überwunden war, rief ich im Krankenhaus an und kündigte unseren Besuch an. Die Schwester schien nicht amüsiert und scherzte am Telefon “Muss das jetzt sein? Bringen Sie Zeit mit…”.Aber noch bevor sie ein freundliches Lachen hinterherschmeißen konnte, ist ihr scheinbar aufgefallen wie dumm die Antwort war und sie verabschiedete sich recht freundlich mit “bis gleich, fahren Sie vorsichtig”

 

Ich rannte wie ein Lemming durch die Wohnung und sammelte alle Taschen ein die, vorsorglich wie meine Freundin ist, bereits gepackt waren. Und obwohl alles vorbereitet war, hatte ich ständig das Gefühl etwas vergessen zu haben und wollte nicht so recht zur Abfahrt aufrufen.

 

18:50 Uhr – Wir saßen also tatsächlich im Wagen und machten uns auf den Weg ins Krankenhaus um gleich Eltern zu werden. Ein unbeschreibliches Gefühl, das ich an diesem Abend noch öfter zu spüren bekommen sollte.

 

Fast zeitgleich mit starten der Zündung fingen bei meiner Freundin, die bis dahin absolut unbekannten Wehenschmerzen an. Das Beobachten der Uhr verriet mir, dass die Wehen im Abstand von 3 bis 5 Minuten kamen. Tatsächlich hatte ich in den letzten Monaten das ein oder andere Buch über Schwangerschaft in die Hand genommen und ähnlich wie Johnny Nummer 5 aus “Nummer 5 lebt” durchgeblättert. Dabei aber bestimmt nur 1/10.000 vom eigentlichen Inhalt behalten.

…::: Johnny Nummer 5 – Brauche INPUT ! *klick mich* :::…Number5

 

Randnotiz: Sollte es jemals bionische Verbesserungen für das Gehirn geben und ein Leser aus der Wissenschaftsabteilung sich in meinem Blog verirrt haben, ich stelle mich als Versuchskaninchen zur Verfügung… solange ich am Leben bleibe, die Implantate danach behalten kann und für die Behandlung nichts bezahlen muss.

 

Obwohl ich nicht zu den Bionic Six gehöre, erinnerte ich mich dunkel an den Satz “Wenn die Wehen alle 4 Minuten kommen, sollten Sie sofort ins Krankenhaus fahren”.

Wäre mein Leben ein Film, würde die Kamera in diesem Moment frontal auf mein Gesicht zoomen und ein Auge verstörend zucken. In meinem Kopf sähe man Captain Jean-Luc Picard sagen: “Alarmstufe Rot. Warpkern kurz vor dem Zusammenbruch” und ein Impuls würde an meinen Fuß gesendet um das Gas weiter durchzudrücken.

 

Auf der Arbeit hatten wir bereits gescherzt wie “lustig” das wäre wenn das Kind im Auto zur Welt kommt… vor meinem geistigen Auge erschien die Szene plötzlich nicht mehr so spaßig und ich zählte jeden Kilometer den wir dem Krankenhaus näher kamen.

 

Nachdem meine Freundin nun ein paar Wehen unter stummen Schmerzen “weggeatmet” hatte und ich immer wieder (und stets höflich!) die Frage stellte, ob alles OK sei und dabei behutsam ihre Schulter streichelte, bekam ich mit einer fast schon beängstigenden Ruhe als Antwort: “Schatz! Ich merke gerade, dass ich weder angesprochen, noch angefasst werden möchte. Also versprech mir eins, fass mich während der Wehen nicht an und keine dummen Sprüche im Kreißsaal!”

 

Das hat voll gesessen…

 

Die lustige Antwort in meinem Kopf wurde umgehend verworfen. Stattdessen sagte ich unterwürfig “OK” und habe danach ein “ist meine Fahrgeschwindigkeit so angenehm für dich?” von meinen Lippen gesäuselt.

 

Als Antwort gab es ein knappes: “Ja, aber sei leise und schalte das Radio aus….. bitte”

 

Wir fuhren also in absoluter Stille über die Autobahn in Richtung Krankenhaus. Neben mir eine Frau die in den Wehen liegt und diese stillschweigend erträgt, vor mir der Scheinwerferkegel meines Autos und sonst nur Dunkelheit.

 

Einzig das Knistern der Plastiktüte, die ich aus Sicherheitsgründen zusammen mit drei Handtüchern vorsorglich auf den Beifahrersitz gelegt hatte, sorgte für ein wenig Abwechslung neben dem Geräusch des Motors.

 

Glücklicherweise sind wir ohne filmreife Geburt im Auto im Krankenhaus angekommen. Es war 19:10 Uhr und ich betrat stolz und dennoch voller Sorge mit meiner schmerzerfüllten Freundin das Foyer des Krankenhauses.

 

Da wir erst einen Tag vorher zum CTG im Krankenhaus waren, wo man uns gesagt hat “Nöschts… dat kann dauern”, waren wir auf Hilfe nicht angewiesen und konnten präzise den Weg Richtung Kreißsaal anpeilen.

 

Auf der Etage angekommen gab es eine riesige Menschenansammlung. Eine scheinbar sehr große Familie wollte komplett den Kreißsaal stürmen und die junge Mutter mit ihrem Baby begrüßen. Zum Glück ließen die Hebammen diese Menschenmasse nicht in den Kreißsaalbereich der zum Zeitpunkt unserer Ankunft vollständig belegt war. Alle anderen Frauen die gerade entbinden, hätten das bestimmt nicht lustig gefunden. Wir waren jedenfalls froh, als man uns durchgewunken hat und wir, so dachten wir, in den ruhigen Bereich durfen.

 

Aber im abgesperrten Kreißsaalbereich angekommen, blickt uns die Ärztin mitleidig an und bestätigte das was am Telefon schon angedeutet wurde. Alles ist noch belegt, und wir müssen ein bisschen Zeit mitbringen, bis einer der Räume frei wird. Das normale Prozedere sah allerdings sowieso vor, dass man meine Freundin erstmal an ein CTG hängt um die Stärke der Wehen zu messen. Im eigenen Raum für das CTG sagte die Ärztin zum Auflockern der Situation “Möchten Sie denn wirklich heute ihr Kind bekommen?” … Ich hätte ihr vermutlich von den mir auferlegten Regeln erzählen sollen “Kein Sprechen, kein Anfassen, keine Witze!” Aber der Blick meiner Freundin nach diesem Satz schien alles zu erklären. Die Ärztin guckte mich fragend an, ich zuckte mitleidig mit den Schultern und fast schon deprimiert fuhr die Dame mit ihrer Behandlung fort und verkabelte meine Freundin mit der Maschine, welche ähnlich eines Seismografen die Wehen aufzeichnete.

 

Nachdem nicht mehr als 30 Minuten vergangen waren und das CTG fleißig maximale Wehenaktivität alle paar Minuten aufzeichnete kam die Ärztin in den Raum geplatzt (HA! Wortspiel… geplatzt…) und sagte “Es tut mir wirklich leid, aber sie müssen den Raum leider verlassen, eben ist eine weitere Frau gekommen, die in den Wehen liegt und muss an das CTG.” Das war der Moment wo meine Freundin aus Verzweiflung in Tränen ausbrach.

 

Verstoßen wie Maria und Josef standen wir also draußen auf dem Gang. Neben mir eine Frau, die ihre Wehen wegatmet, die ich aber weder Anfassen noch Ansprechen darf. Ich kam mir im Leben noch nie so nutzlos vor und versuchte die Stimmung etwas anzuheben: “Hey! Ich kann mal gucken ob draußen noch eine Scheune mit Stroh frei ist, Jesus wurde…” tötende Blicke waren die Antwort und ich erinnerte mich wieder an die Regeln.

 

Nachdem wir also eine weitere Ewigkeit den Gang rauf und runter spaziert sind, wurden wir gg. 20:30 Uhr von einer Hebamme in einen freien und fertig gesäuberten Kreißsaal gerufen.

 

Es stellte sich zum ersten mal Ruhe und Entspannung ein als die Hebamme sagte “Dies ist heute ihr Zimmer, hier bekommen Sie jetzt ihr Baby und das alles in absoluter Ruhe” Nachdem die große Schiebetür vom Kreißsaal zugeschoben war verschwand auch der Lärm von draußen und uns beiden fiel sichtlich ein Stein vom Herzen. Da meine Freundin sich eine Entbindung in der Geburtswanne gewünscht hat, waren wir um so glücklicher, als wir gesehen haben das dies der Kreißsaal mit entsprechender Einrichtung ist.

 

Ein kurzes Wort an die Hebamme und das Wasser wurde eingelassen. Als besonders wichtige Aufgabe, und weil ich durch Nichtstun sichtlich überfordert in der Ecke stand, bat die Hebamme mich den Duschschlauch zu halten und mit der Brause die Wanne zu befüllen. Ich war überglücklich und habe erst im Nachhinein bemerkt, dass diese “wichtige Aufgabe” sich auch dann erledigt hätte, wenn man den Duschschlauch einfach in die Wanne gelegt hätte… Ich wurde gnadenlos verarscht, damit ich nicht im Weg stehe… aber in dem Moment war ich erleichtert am Kopf der Wanne zu stehen und dabei zuzusehen wie der Wasserspiegel stieg.

 

Sobald meine Freundin sich in die Wanne gelegt hatte, habe ich mit der Dusche warmes Wasser über ihren Rücken laufen lassen. Die Hebamme bestätigte mich mit “das machen Sie sehr gut!” und ich war über beide Ohren am Grinsen.

 

Es ging ähnlich „lustig“ aber um einiges ruhiger weiter. Allerdings könnte ich die Geschichte ab diesem Zeitpunkt nicht lückenlos erzählen, ohne zu viele intime Details zu verraten.

 

Nur so viel sei abschließend gesagt:

 

Die Wahl zu einer Geburt im Wasser hätte laut Aussage meiner Freundin nicht besser sein können. Wir waren um 20:30 Uhr im Kreißsaal und um 22:30 Uhr war die Kleine da. Vom Sprung der Fruchtblase bis zur Geburt in 4 Stunden sind, haben wir uns sagen lassen, eine gute Highscore für die erste Geburt.

 

Als Ivy Viola (so der Name des kleinen Wunders) auf der Brust meiner Freundin lag und langsam ihre Augen öffnete um uns anzusehen war es dann um mich geschehen. Das letzte Mal als ich so viele Männertränen vergossen hatte war der Moment, wo Bruce Willis alias Harry Stamper die Entscheidung getroffen hat sich als Opfer für die Menschheit mit dem Asteroiden selbst in die Luft zu sprengen, vorher aber noch seiner Tochter per Videoübertragung auf allen Bildschirmen der NASA lebewohl gesagt hat. Warum musste auch der verdammte Fernzünder defekt sein… wir vermissen dich Harry.

…::: Goodby Harry – Tränen Garantie *klick mich* :::…harry

 

Ich kann allen Männern, die vorhaben Vater zu werden nur mutig entgegenbringen: Der Moment der Geburt hat etwas magisches und wird sich auf ewig als wunderschönes Ereignis in euer Gehirn einbrennen. Entgegen allen Mhythen die in Männerrunden verbreitet werden ist die Geburt in keinem Moment eklig oder beeinflusst negativ eure Beziehung. Im Gegenteil! Hat man dieses Wunder zusammen erfahren, heißt es “Bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter”.

 

Also Männer! Steht euren Harry Stamper! Springt über euren Schatten und lasst euch diesen Moment niemals entgehen. Nur sprengt euch am Ende bitte nicht selbst in die Luft.

 

– The real Next-Gen has arrived –

…::: Mensch, weiblich, 1 Stunde alt :::…viola_born_546

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